Emotional Design 1 – Die Rolle von Emotionen im Design

Verfolgt man die Historie des Designs zurück, so wird schnell klar, dass Benutzerfreundlichkeit und Schönheit nicht immer Hand in Hand gegangen sind. Entweder schick oder funktionell – lange Zeit schien der Konsument mit genau dieser Entscheidung konfrontiert (das Beispiel Rokoko macht es deutlich). Emotional Design als weitere Komponente.

Einen ersten Schritt in die Richtung einer gelungenen Kombination von Schönheit und Usability wagte die Bauhaus Schule. Unter dem Leitsatz Form Follows Function stand das moderne Design damals Kopf und ist bis heute zeitlos.

Ein schönes Beispiel also, dass ein ansprechend gestaltetes Produkt keinesfalls in seiner Nützlichkeit einbüßen muss.

Eine Beziehung zwischen Mensch und Objekt herstellen

Attraktive Produkte erregen Aufmerksamkeit und bleiben nachhaltig im Gedächtnis haften – eine Tatsache, die wohl jeder von uns bestätigen kann. Wie es der Name nun schon vermuten lässt, zielt das Emotional Design auf genau auf diese Causa ab. Eine gelungene gestalterische Umsetzung definiert sich dabei durch das Triggern bestimmter Emotionen.

Auch wenn der Wortlaut einem utopischen Roman entsprungen zu sein scheint, trägt die Emotionalisierung vor allem in der UX-Entwicklung dazu bei, Objekte zu vermenschlichen. In diesem Prozess tritt der Computer schrittweise in den Hintergrund, die Humanität in den Vordergrund.

Die Grundlagen des Emotional Designs

Erstmals angeführt wurde das Konzept des Emotional Designs von Don Norman, Kognitionswissenschaftler und Mitbegründer der Nielsen Group. Im Rahmen seiner Studien ermittelte dieser, dass menschliche Emotionen zu Produkten über drei Ebenen eine Art Beziehung aufbauen: der Ebene des Instinktiven (visceral), des Verhaltensmäßigen (behavioural) und des Reflektierenden (reflektive).

Sein Appell: Designer sollten genau an diese drei Stufen der kognitiven Fähigkeiten andocken, um eine positive User Experience zu schaffen.

Instinktiv emotionales Design beschreibt in diesem Zusammenhang erste Reaktionen des Konsumenten während der Wahrnehmung eines Produkts. Ästhetischen Qualitäten, die erste sensorische Erfahrungen triggern, stehen dabei im Vordergrund. Die anschließende Stufe, das verhaltensmäßig emotionale Design, umfasst sämtliche Faktoren der Usability des Produkts. Wird unser Bedürfnis nach einem funktionierenden Produkt befriedigt? Und wie einfach lässt sich der Umgang mit diesem erlernen? Fällt die zu erwartende Interaktion mit dem Produkt positiv aus, wird seitens des Konsumenten ein Gefühl des Wohlbefindens und der Familiarität ausgelöst.

Sobald sich ein Produkt also als vollends zufriedenstellend für den Nutzer erweist, werden automatisch längerfristige Effekte in Gang gesetzt. Im Rahmen der Reflexion können sich diese Effekte nicht nur im Alltagsleben widerspiegeln, sondern auch dazu beitragen, das Produkt als Prestigeobjekt zu verstehen. Es wird ein Stolz und eine tief empfundene Identifikation über das Objekt entwickelt und der Antrieb gefördert, den Erfolg mit Anderen zu teilen – die Schnittstelle aller drei Elemente ist erreicht.

Design als Bedürfnis

Normans Erkenntnisse entwickelten sich schnell zu einem Meilenstein in der Geschichte des Produktdesigns und hängen wahrscheinlich auch heute noch jedem Designstudenten zu den Ohren raus. Das passende Pendant für all jene, die sich der Wirtschaft verschrieben haben: die Maslowsche Bedürfnispyramide.

Aaron Walter, Herausgeber des Bestsellers Designing for Emotions, kombinierte dieses Konzept mit den Erkenntnissen Normans und schuf auf diese Weise den Leitfaden für Emotional Design im UX-Entwicklungsprozess.

Uns ist natürlich allen bewusst, dass Funktionalität, Zuverlässigkeit und Usability den Grundstein für eine optimierte User Experience bilden. Doch die Kompetenz einer erfolgreichen Anwendung liegt leider nicht nur in diesen Kernfunktionalitäten begründet. Design soll Freude bereiten – ein Element, das Walter als oftmals vernachlässigt kritisiert. Nicht selten muss die Ästhetik eines Produkts zugunsten eines Mangels an Zeit und Geld einbüßen. Doch gerade eine ansprechende Gestaltung definiert die perfekte Interaktion zwischen Mensch und Maschine. 

Fazit

Die Konzepte Normans und Walters geben bereits einen groben Einblick in die Wirkungsmechanismen von Emotionen im Designprozess. Wird so dem Konsumenten die Möglichkeit offen gestellt, mittels einer zielgenauen Gestaltung eine kognitive Verbindung zu dem Produkt herzustellen, ist das längerfristige Vergnügen gesichert.

Der zweite Part dieses Artikels soll vertiefen, welche Emotionen im Designprozess eine relevante Rolle spielen und welche Umsetzungsstrategien im UX-Entwicklungsprozess möglich sind.  

Ergänzender Beitrag zu Emotional Design: Emotional Design 2 – Emotionen im UX-Design umsetzen

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