Emotional Design 2 – Emotionen im UX-Design umsetzen

Geben wir es doch zu: Apps können teilweise wirklich langweilig sein. Oft steckt hinter einem mausgrauen Interface aber eine großartige Idee. Warum also nicht die Stärke dieser Idee nutzen, um einzigartige Emotionen im UX-Design für den Nutzer zu schaffen?

Wie im Artikel Emotional Design 1 beschrieben, kann es keinesfalls schaden, sich in der Entwicklung von Anwendungen mit den Bedürfnissen der Nutzer auseinander zu setzen. Der gezielte Einsatz von emotionalen Elementen vermittelt dabei ein familiäres Gefühl und eine langfristige Beziehung zwischen Produkt und Kunde baut sich auf.

Natürlich ticken wir nicht alle gleich. Unser Raster an Emotionen ist jedoch sehr ähnlich gestrickt und variiert ausschließlich in Ausprägung und Intensität. Der Psychologe Robert Plutchik fasste diese Level in seiner Emotionstheorie zusammen und ermöglichte es Designern aller Branchen so, den Ursprung von Emotionen zu verstehen, die Komplexität zu entschlüsseln und geeignete Antwortmöglichkeiten zu entwickeln.

Die Emotion Map nach Plutchik

Bei der ersten Betrachtung von Plutchiks Konzept mag wohl kaum einer vermuten, welche Annahme sich hinter dem Konzept verbirgt. Laut dem Psychologen spielten Emotionen in der Evolution sämtlicher Spezies eine entscheidende Rolle.

Tatsache ist, dass das Triggern einer Emotion eine bestimmte Reaktion als Antwort hervorruft. Werfen wir so einen Blick auf die Emotion Angst, fällt uns vielleicht zunächst der Fluchtinstinkt ein. Ein gewisser Stimulus beeinflusst dabei die Ausschüttung des Hormons Adrenalin. Die Folge: der Mensch erfährt einen kurzfristigen Energieschub und ist leistungsfähiger, sich im Überlebenskampf durchzusetzen.

Unabhängig von der Spezies teilt die Emotion Map acht Basisemotionen, welche sich wiederum in ihrer Intensität abstufen lassen.

Plutchiks Intention bei der Konzeptualisierung der Map war es, eine Art Palette der Emotionen für das Design zu schaffen. Innerhalb dieses Konzepts steht keine Emotion für sich alleine und lebt ausschließlich durch das passende Pendant – einen ‘Evil Twin’ also. Hier die vier wichtigen Emotionspaare in einem kurzen Überblick:

  • Freude + Trauer
  • Vertrauen + Abneigung
  • Furcht + Wut
  • Überraschung + Erwartung

Ein Anwendungsbeispiel für Emotionen im UX-Design: Ecosia

Auch wenn die Emotion Map aufgrund seiner Einfachheit kritisiert wurde, bietet sie einen entscheidenden Denkanstoß für Designer, auf welche Weise Nutzer Emotionen entlockt werden können. Die Suchmaschine Ecosia gibt einen Einblick, welche Gefühle ein Nutzer während der Anwendung durchlaufen kann :

Screenshot: Ecosia

Der Klimaschützer in uns hat sich gerade erst entschieden, auch im Alltag einen Beitrag zum Wohl der Umwelt zu leisten. Da wir gefühlt 80 % des Tages mit Surfen im Netz verbringen, erscheint die Suchmaschine Ecosia als geeignetes Tool.

Wir sehen also die liebevoll gestaltete Landingpage und sofort bauen sich Erwartungen auf. Nur einen Suchbegriff eingeben, einen neuen Baum pflanzen und damit die Welt ein Stück weit vor dem Klimawandel schützen. Die Freude steigt! Wir geben also unsere Anfrage ein und sofort wird uns die Summe aller Bäume, die quasi durch die eigene Hand gepflanzt wurden, angezeigt. Mit diesem kleinen Schritt wurde etwas erreicht – Optimismus macht sich breit, das Tool weiter zu nutzen.

Populäre Beispiele für den gezielten Einsatz von Emotionen im UX-Design

Um nun wieder zur Argumentation vom Anfang zurückzukehren: Die Langweile ist die wohl größte Gefahr im UX-Design-Prozess. Durch das pure Nichtstun ausgelöst ist sie das Todesurteil für eine Anwendung, da sie Frustration und Unzufriedenheit seitens der User schürt.

Um zu Vermeiden, dass der Tab direkt wieder geschlossen wird, hier fünf Beispiele für eine bombensichere Umsetzung von Emotional Designs:

Gamification & Humor: T-Rex, Run!

Mit Spiel und Spaß zum Erfolg – Google hat da genau richtig angesetzt. Statt empörte User heraufzubeschwören, hält das Chrome Dino Game als Lückenfüller bei vorübergehenden Verbindungs-Engpässen her. Mit dieser Lösung lässt es sich (zumindest temporär) leben.


Chrome Dino Game

Animation & Illustration: WeTransfer

Wer regelmäßig WeTransfer nutzt, kennt das Gefühl: endlich ist die Arbeit getan und das fertige Resultat kann stolz an den Empfänger weitergeleitet werden. Eine kleine illustrierte Animation bestätigt den Erfolg, dass die Datei zu 100 % hochgeladen wurde und das Belohnungssystem wird aktiviert. So lassen sich selbst trockene Angelegenheiten wie ein Datei-Upload humorvoll und spielerisch gestalten.

Animation: WeTransfer

Maskottchen: Der Mailchimp

Nicht immer müssen es Einhörner oder lila Kühe sein. Mailchimp beweist, dass nicht Cuteness, sondern Wiedererkennungswert die Essenz eines erfolgreichen Maskottchens ausmachen. Auch wenn der Zusammenhang zwischen und Schimpansen und Mailings vielleicht nicht ganz so eindeutig ist…

Logo von Mailchimp

Fazit

Sobald der Stimulus seine Reize versprüht, erfolgt nach der kognitiven Verarbeitung eine emotionale Antwort, die final in einem längerfristigen Effekt gipfelt. Damit aus diesen Effekten auch ein dauerhafter Nutzen gezogen werden kann, sollte auch im Emotional Design auf eine konstante Analyse gesetzt werden. Wichtige Elemente sind zum Beispiel mittels Klickraten emotional ansprechende Inhalte zu identifizieren oder das Frustrationslevel der User mit einer intuitiven Architektur möglichst gering halten.

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