Skeuomorphism – In oder Out?

Wer sich an die ersten Gehversuche in unserer mittlerweile durchdigitalisierten Welt zurückerinnert, gerät bei dem Gedanken an banale Bedienelemente auf Kindergartenniveau möglicherweise ins Schmunzeln. Beinahe jedes klickbare Element wurde in Anlehnung an seine Funktion designt. Egal ob in Form des Briefumschlags für das Mail-Postfach oder des Papierkorbs als Ablageort ausgesonderter Dateien. Lange Zeit dominierte dieses Gestaltungskonzept namens Skeuomorphism die Entwicklung diverser Interfaces und ist mittlerweile etwas in die Jahre geraten. Nichtsdestotrotz lohnt es sich allemal, ein Auge auf den Designansatz zu werfen. Denn sei es in Kombination mit minimalistischen Flat Designs oder modern interpretiert in Form des Neumorphism – in Vergessenheit geraten ist der Klassiker noch lange nicht.

Mittlerweile ist Skeuomorphism eher schick als funktional

Zu den Ursprüngen des Skeuomorphism

Zunächst aber zu den Basics. In Zeiten, in denen unter einem Keyboard ein elektronisch betriebenes Tasteninstrument verstanden wurde und der Macintosh sich quasi noch in den Kinderschuhen befand, galt es, der Menschheit den Umgang mit Computern langsam und schonend näherzubringen. Für einen Großteil der Bevölkerung war der Computer ein absolutes Mysterium, welches sich nur mithilfe der geschickter Entwicklungsstrategien entschlüsseln ließ. Der Lösungsansatz für ein reibungsloses User Experience Design war denkbar einfach: die Nachahmung real existierender Gegenstände innerhalb der digitalen Oberfläche. Das Papierkorb-Symbol entwickelte sich so zu einem Vorreiter in Sachen Skeuomorphism. Die Analogie zur Wirklichkeit ermöglichte es dabei, den Umgang mit einzelnen Funktionen des Desktops spielerisch zu vermitteln.

Selbstverständlich entwickelten die kreativen Köpfe hinter Apple dieses Konzept weiter und entwarfen (mehr oder weniger) ansprechende Ebenbilder wie den Kalender mit Lederimitation. Seit seiner Blütezeit im Jahre 2013 lässt sich glücklicherweise der ein oder andere Fortschritt verzeichnen. Beinahe jeder Bürger ist mittlerweile im Besitz eines Smartphones und der Umgang mit User Interfaces wird bereits in der Grundschule angelernt. Hinzu kommt, dass der Aufwand, der hinter einer solchen Benutzeroberfläche steckt, sich natürlich direkt in der Optik widerspiegelt. Der Detailreichtum der einzelnen Elemente geht dementsprechend vor allem im Responsive Design mit einer sehr zeitintensiven Umsetzung einher.

Flat Design und Neumorphism – back to the roots?

Basierend auf der Tatsachse, dass der Umgang mit digitalen Endgeräten mittlerweile zum Allgemeinwissen gehört, bedarf es im Grunde genommen keiner visuellen Hilfsmittel mehr. Nichtsdestotrotz scheinen verschiedene Designansätze die etwas veraltete Idee wieder aufzugreifen; und das mit Erfolg! Neumorphism hat innerhalb dieses Blogs bereits die Runde gemacht. Ähnlich einem 3D-Drucker entsprungen wirken diese Interfaces fast schon taktil und aufgrund der meist dezenten Farbpalette modern und beruhigend. Der Skeuomorphism 2.0 definiert sich dabei durch die optische Verbindung von Bedienelementen und Hintergrund. Während es üblicherweise so scheint, als würden Icons über dem Desktop schweben, wachsen die Buttons im Neumorphism geradezu aus dem Bildschirm heraus.

Flat Designs hingegen stehen im kompletten Gegensatz zum Skeuomorphism. Die Reduzierung des Contents auf die wichtigsten Inhalte lässt keine ausschmückenden Elemente wie Schattierungen zu. Trotzdem sind Flat Designs und Skeuomorphism miteinander kombinierbar. Während an dem Grundgedanken festgehalten wird, analoge Gegenstände digital abzubilden, orientiert sich die Gestaltung am zweidimensionalen Modell des Flat Designs. Besonders viele Beispiele dieser Art finden sich in der Musikproduktion. Equipment, welches für den Otto-Normalverbraucher möglicherweise unerschwinglich ist, kann so ohne großen Kostenaufwand in virtueller Form erstanden werden.

Skeuomorphism + Flat Design: auch diese Kombi ist möglich

Skeuomorphism wieder aufleben lassen – lohnt es sich?

Eines steht fest: der Einsatz von Skeuomorphism im Sinne der Vermittlung von Funktionalitäten ist heutzutage kein Must-Have im User Experience Design. Dennoch sollte das gestaltungsbezogene Konzept Learning by doing nicht in Vergessenheit geraten. Im Rahmen einer minimalistischen Umsetzung können digitalisierte Bedienelemente nicht nur ein optischer Hingucker sein, sondern auch die Freude an der Nutzung steigern. Der Effekt: die Nutzer*innen durchleben eine einzigartige User Experience, eine emotionale Bindung entsteht und die Anwendung hinterlässt einen bleibenden Eindruck.